Deutschland im Lottofieber – Eine Statistik

Seit fast 3 Wochen befindet sich Deutschland in einem „nie da gewesenen“ Lottofieber, das wohl vor allem die Lottogesellschaften freuen wird. Alle Medien haben diesen Hype aufgegriffen und berichten eifrig und wohlwollend darüber. So findet man in fast allen Zeitungen Artikel darüber in denen man geradezu den Rausch nach dem Geld fühlen kann. Überall gibt es Tipps und Hinweise was man mit soviel Geld alles machen bzw. kaufen kann. Einen jedoch äußerst bemerkenswerten Artikel fand sich heute u.a. auf SpiegelOnline. In diesem Artikel heißt es »“Jede Woche fließen von 50 Prozent des Spieleinsatzes 10 Prozent zurück in den Jackpot“, erklärte ein Sprecher der Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg…« Interessant, dann lassen Sie uns doch mal genauer nachrechnen:

10 % von der Hälfte der Einnahmen bedeutet ja eigentlich, dass tatsächlich nur magere 5% in den Jackpot fließen. Aber da dies ja nach sehr wenig klingt greift man intelligenter weise zu einer geschickten, statistischen Umformulierung, die sowieso nur jeder 6. Bundesbürger begreift. Wie viel Prozent das wohl sein mögen, hm? Wohnen überhaupt soviel Menschen in Deutschland? Wie auch immer…

Wenn man sich nun die letzte Steigerung des Jackpots von 38 Mio. auf nun 43 Mio. vor Augen führt, sieht man dass dieser um 5 Mio. gewachsen ist. Bei einer Rückrechnung würde es bedeuten, dass allein von Samstag bis Mittwoch Einnahmen von 100 Mio. erzielt wurden. Denn 5% davon sind genau die Steigerung die der Jackpot seit dem erfahren hat. Soweit so gut. Im weiteren Verlauf des Artikel heißt es dann »Die Deutschen pilgerten am Samstag zwar fleißig zu den Lotto-Annahmestellen, doch der Spieleinsatz von 151,5 Millionen Euro war nicht einmal deutscher Rekord.« Sie werden sich nun fragen: Hey, wo sind die fehlenden 51,5 Mio. plötzlich hin und warum steht der Jackpot dann nicht auf rund 46 Mio.? Hm, das habe ich mich auch gefragt. Im weiteren Verlauf des Artikels heißt es dann »Die Prognose für heute [Mittwoch] sei zwar nur eine konservative Schätzung, so Pressesprecher Sattler, „aber wir erwarten bundesweit rund 100 Millionen Euro Spieleinsatz.“« Diese 100 Mio. sind die prognostizierten Einnahmen für die heutige Mittwochauslosung und sind nicht mit den 151,5 Mio. vom letzten Samstag zu verwechseln, die eigentlich für die Jackpot-Berechnung hätten berücksichtigt werden müssen.

Nun ja, die Antwort warum das so ist, ist ganz einfach. Die 5% Gewinnausschüttung in den Pot der Pötte sind natürlich BRUTTO-PROZENT [Ann. des Autors]. Jeder wird sich daran noch aus Schulzeiten erinnern können, oder etwa nicht? Wenn nicht, fragen Sie doch Ihre Kinder. Das bedeutet dass tatsächlich, also NETTO, nur rund 3,3% der Einnahmen ausgeschüttet werden. Sind Sie mitgekommen? Ganz schöner Nepp, oder? Ich prognostiziere, falls der Jackpot wieder nicht geknackt wird, ein Jackpot von rund 53 Mio. am Wochenende. Mathematik ist so einfach, wenn es da nicht diese dumme Wahrscheinlichkeitsrechnung geben würde.

All denen die gespielt haben drücke ich die Daumen.

Dezember 5, 2007. Schlagworte: , , , , . Blätterwald. Kommentieren.